Laut Lyngsø ist es entscheidend, bereits früh in einem Projekt alle Möglichkeiten auszuloten. Je weiter der Bau einer Anlage wie der Ash2Phos-Anlage in Schkopau voranschreitet, desto weniger Optionen bleiben, um auf unvorhergesehene Herausforderungen zu reagieren – und desto kostspieliger werden mögliche Änderungen. Deshalb ist es wichtig, in jeder Bauphase die effektivsten Alternativen zu kennen und die richtigen Entscheidungen treffen zu können.
Zwischen den verschiedenen Ingenieurdisziplinen gibt es kontinuierliche Abstimmungen zu Themen wie Materialauswahl, Layouts, Rohrleitungen, Instrumentierung, Regelstrategien und vielem mehr. Prozessingenieur:innen müssen sicherstellen, dass keine Entscheidung kritische Prozessparameter beeinflusst. Wenn beispielsweise ein Ventil im Rohrleitungssystem benötigt wird, das ursprünglich nicht vorgesehen war, kann dies die Strömung und den Druck der darin transportierten Chemikalien verändern und somit den ganzen Prozess beeinflussen.
„Engineering bedeutet im Grunde, eine Anlage durch kontinuierliche Weiterentwicklung und durch intensiven Austausch zwischen den Beteiligten aufzubauen“, erklärt Lyngsø. „Jeder muss sein Fachwissen einbringen und seine Perspektive teilen – daraus entsteht am Ende eine Prozessanlage, die zuverlässig funktioniert.“
Offenheit für neue Ideen und Lösungen
Was die Expertise des Prozessengineering-Teams von EasyMining besonders macht, ist das umfangreiche Wissen, das die Teammitglieder durch praktische Erfahrung gesammelt haben.
„Wir haben viel aus den verschiedenen Entwicklungsarbeiten gelernt“, sagt Lyngsø. „Praktische Erfahrungen mit den einzelnen Prozessschritten zu sammeln, hilft später enorm bei der Auswahl geeigneter Bauteile und bei der Auslegung für den großtechnischen Maßstab.“
Lyngsø führt auch ihre eigene praktische Erfahrung auf der Anlage als wichtigen Faktor für das Verständnis an, wie eine Prozessanlage betrieben wird – insbesondere, weil Steuerungssysteme nicht die gleiche Präzision ermöglichen wie im Labor.
„Es ist nicht möglich, den Durchfluss auf das Gramm genau zu regeln oder exakt den pH-Wert zu erreichen, wie man es vom Labor gewohnt ist“, erklärt sie. „Man muss Wege finden, Prozesse zu vereinfachen und sicherzustellen, dass das Ergebnis tatsächlich dem gewünschten Verhalten entspricht.“
Und es gibt kaum Erfahrungswerte, die mit der Arbeit an der weltweit ersten Ash2Phos-Anlage vergleichbar sind, die Herausforderung ist täglich spürbar.
„Wir sind nicht in einer Denkweise gefangen, in der es heißt: ‚So wurde es schon immer gebaut‘. Stattdessen etablieren wir eine Unternehmenskultur, die offen für neue Ideen und Lösungen ist“, sagt Lyngsø. „Vor uns liegt eine wirklich spannende Phase: die Vorbereitung auf die Inbetriebnahme, der Start der Anlage und schließlich die ersten konkreten Ergebnisse der Arbeit, die wir geleistet haben.“