Isabella Lyngsjö

Wie unsere Prozessingenieur:innen beim Aufbau einer Chemieanlage mitwirken

Prozessingenieurin Isabella Lyngsø weiß aus eigener Erfahrung, wie aus Laborexperimenten funktionierende Industrieanlagen entstehen – wie zum Beispiel die weltweit erste Ash2Phos-Anlage.

25. Jun. 2026

Die meisten Menschen wissen nicht, was benötigt wird, einen Prozess zur Nährstoffrückgewinnung in eine großtechnische Anlage zu überführen. Isabella Lyngsø weiß es.

Sie kam zu EasyMining als Prozessingenieurin, genau zu dem Zeitpunkt, als das Unternehmen seine Entwicklung von Anlagen zur Nährstoffrückgewinnung intensivierte.

Damals, im Jahr 2022, hatte Lyngsø gerade ihr Masterstudium in Göteborg abgeschlossen. Mit einem Abschluss in Chemieingenieurwesen reizte sie besonders die Möglichkeit, theoretische Ansätze – wie Prozesssimulationen und die Auswahl geeigneter Anlagenkomponenten – in die Praxis umzusetzen und damit reale Kreisläufe für Materialien zu schaffen.

Heute ist sie ein erfahrenes Mitglied des Göteborger Teams, das daran arbeitet, Ash2Phos – den EasyMining-Prozess zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlammasche – in eine chemische Großanlage in Deutschland zu überführen. Eine Anlage dieser Größe existiert weltweit bisher nicht, und Prozessingenieur:innen sind während aller Phasen der Inbetriebnahme maßgeblich beteiligt.

„Da dies die erste Anlage ist, die wir bauen, ist alles, was vor uns liegt, für uns alle vollkommen neu“, sagt Lyngsø. „Es ist sehr spannend zu sehen, wie sich die Rolle verändert: Je weiter man im Projekt voranschreitet, desto stärker muss man mit den zuvor getroffenen Entscheidungen arbeiten und das Beste daraus machen.“

Planung von der frühesten Projektphase an

Der Bau der weltweit ersten Ash2Phos-Anlage begann im Jahr 2025. Die Anlage entsteht in der deutschen Gemeinde Schkopau und soll 2027 in Betrieb gehen. Hauptprodukt ist Calciumphosphat – ein wichtiger Nährstoff für Dünge- und Futtermittel.

Die gesamte EasyMining-Organisation arbeitet derzeit daran, die Schkopau-Anlage Realität werden zu lassen. Das Prozessengineering-Team war jedoch bereits lange vorher in das Projekt eingebunden.

„Am Anfang geht es vor allem darum, die Erkenntnisse des F&E-Teams aus dem Labor in einen Prozess zu übersetzen, der auch im größeren Maßstab funktioniert – und dafür die passenden Anlagen und Komponenten zu finden“, erklärt Lyngsø.

Sobald die Auswahl der Bauteile und Geräte für eine Anlage abgeschlossen ist, wird die Planung zunehmend detaillierter. Jede mögliche Verbindung und jeder einzelne Prozessschritt müssen berücksichtigt werden. Dabei wird geprüft, welchen Einfluss sie auf den chemischen Prozess und die Gesamtsicherheit der Anlage haben können.

„Durch kontinuierliche Weiterentwicklung, ständige Optimierung und intensive Zusammenarbeit baut Engineering Schritt für Schritt eine Anlage auf.“

Isabella Lyngsø, Prozessingenieurin

Laut Lyngsø ist es entscheidend, bereits früh in einem Projekt alle Möglichkeiten auszuloten. Je weiter der Bau einer Anlage wie der Ash2Phos-Anlage in Schkopau voranschreitet, desto weniger Optionen bleiben, um auf unvorhergesehene Herausforderungen zu reagieren – und desto kostspieliger werden mögliche Änderungen. Deshalb ist es wichtig, in jeder Bauphase die effektivsten Alternativen zu kennen und die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Zwischen den verschiedenen Ingenieurdisziplinen gibt es kontinuierliche Abstimmungen zu Themen wie Materialauswahl, Layouts, Rohrleitungen, Instrumentierung, Regelstrategien und vielem mehr. Prozessingenieur:innen müssen sicherstellen, dass keine Entscheidung kritische Prozessparameter beeinflusst. Wenn beispielsweise ein Ventil im Rohrleitungssystem benötigt wird, das ursprünglich nicht vorgesehen war, kann dies die Strömung und den Druck der darin transportierten Chemikalien verändern und somit den ganzen Prozess beeinflussen.

„Engineering bedeutet im Grunde, eine Anlage durch kontinuierliche Weiterentwicklung und durch intensiven Austausch zwischen den Beteiligten aufzubauen“, erklärt Lyngsø. „Jeder muss sein Fachwissen einbringen und seine Perspektive teilen – daraus entsteht am Ende eine Prozessanlage, die zuverlässig funktioniert.“

Offenheit für neue Ideen und Lösungen

Was die Expertise des Prozessengineering-Teams von EasyMining besonders macht, ist das umfangreiche Wissen, das die Teammitglieder durch praktische Erfahrung gesammelt haben.

„Wir haben viel aus den verschiedenen Entwicklungsarbeiten gelernt“, sagt Lyngsø. „Praktische Erfahrungen mit den einzelnen Prozessschritten zu sammeln, hilft später enorm bei der Auswahl geeigneter Bauteile und bei der Auslegung für den großtechnischen Maßstab.“

Lyngsø führt auch ihre eigene praktische Erfahrung auf der Anlage als wichtigen Faktor für das Verständnis an, wie eine Prozessanlage betrieben wird – insbesondere, weil Steuerungssysteme nicht die gleiche Präzision ermöglichen wie im Labor.

„Es ist nicht möglich, den Durchfluss auf das Gramm genau zu regeln oder exakt den pH-Wert zu erreichen, wie man es vom Labor gewohnt ist“, erklärt sie. „Man muss Wege finden, Prozesse zu vereinfachen und sicherzustellen, dass das Ergebnis tatsächlich dem gewünschten Verhalten entspricht.“

Und es gibt kaum Erfahrungswerte, die mit der Arbeit an der weltweit ersten Ash2Phos-Anlage vergleichbar sind, die Herausforderung ist täglich spürbar.

„Wir sind nicht in einer Denkweise gefangen, in der es heißt: ‚So wurde es schon immer gebaut‘. Stattdessen etablieren wir eine Unternehmenskultur, die offen für neue Ideen und Lösungen ist“, sagt Lyngsø. „Vor uns liegt eine wirklich spannende Phase: die Vorbereitung auf die Inbetriebnahme, der Start der Anlage und schließlich die ersten konkreten Ergebnisse der Arbeit, die wir geleistet haben.“